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Who ya gonna call? Schlossbusters!

 

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Ein Stadtschloss-Vergnügungspark
Premiere: 24. März 2016

Das Stadtschloss: Über fünfhundert Jahre lang stand es in der Mitte Berlins herum, als die noch nicht die Mitte Berlins war, sondern Alt-Cölln. Und jetzt kommt es wieder. Und diesmal wird es nicht mehr nur preußisch sein, sondern als Humboldt-Forum auch noch fremde Kulturen ausstellen, also über Europa hinausdenken, weit darüber hinaus.
Für die einen ist das Schloss unverzichtbar, um Berlins Seele zu heilen, für die anderen ein unnötiger Riesenreminder an die Monarchie oder gar gebauter Ausdruck eines postdemokratischen Geists. In jedem Fall ein Politikum und einer der Hauptschauplätze, wenn man über die Nutzung öffentlichen Raums diskutiert.
Das Stadtschloss aber diskutiert noch gar nicht und lässt sich erstmal auch nichts mehr sagen. Unaufhaltsam baut es sich auf und drängt zurück an seinen historischen Platz. Der Palast der Republik – der 32 Monate brauchte, um vollendet zu sein, und 34 Monate, um abgerissen zu werden –, warum mußte er weichen? Warum braucht Berlin den Wiedergänger eines preußischen Schlosses? Was kann öffentlicher Raum heute leisten, und inwieweit soll er programmiert werden? Und wieso bleibt der Platz eigentlich nicht leer?

Fragen wir doch mal unseren Geister-Experten Dr. Peter Venkman, gespielt von Bill Murray, der ihn schon in Ghostbusters (1984) und Ghostbusters II (1989) gab. Aber Dr. Venkman hält sich keineswegs an das, woran die Politik sich hält, also an das angeblich Wirkliche. Dr. Venkman redet über Geister, nein, diesmal nicht über Slimer, den Schleimgeist, oder den riesigen Marshmallow Man. Dr. Peter Venkman redet über den Geist einer tatsächlichen Demokratie, der in der wiederaufgebauten Ruine der Post-Demokratie ungreifbar umgeht.
Doch auch diejenigen, die mit den Spendenboxen für die barocken Fassaden herumlaufen, wissen, dass „das Leben des Gespensts der liturgischste und beschwerlichste Zustand ist, der die Beachtung starrer Anstandsregeln und ausufernder Litaneien mit Vespern und Morgengebeten, der Komplet und dem Stundengebet auferlegt“ (Agamben). Stundengebet, Monatsgebet, Jahresgebet: Erst 2019 wird das Schloss endlich eröffnet. Bis dahin können wir allerdings nicht warten.

Willkommen also im Stadtschloss Ost! Während in Mitte noch gebaut und gerichtet wird, eröffnen wir. Und in unserem Indoor-Freizeitpark spukt jetzt schon alles herum, was in der pseudohistorischen Mitte Berlins Rang und Namen hatte oder hätte haben sollen. Dieselben Figuren gibt es übrigens auch als Plastikversion in unserer Humboldt-Meal-Box: Friedrich II. genannt Eisenzahn, Königin Luise, Alexander und Wilhelm von Humboldt (klar!), Karl Liebknecht, Albert Speer, der III. Parteitag der SED, Erich Honecker, der Marshmallow Man, Aswost der Asbestgeist, Förderverein Berliner Schloss e.V. und das Gesicht Bill Murrays. Viel Spaß auch mit unserer Bio-Schleim-Massage, beim Geisterschießen oder beim Spendenmarathon für die Schlossfassaden. (Im Hintergrund dudeln Popsongs von Stars, an deren Tode wir immer noch nicht glauben können: Falco, Michael, Whitney. Und noch weiter im Hintergrund liest jemand Giorgio Agamben oder Erving Goffman laut vor sich hin.)
Im Stadtschloss-Vergnügungspark laden copy & waste ihr Publikum ein, sich zu vergnügen – körperlich und geistig. Und wer beides miteinander verbindet, hat schon die besten Voraussetzungen erfüllt, um vielleicht doch noch öffentlich zu werden –oder zumindest, um so zu tun, als ob.
Denn zusammen mit den Schlossbusters kann hier jeder herausfinden, was oder wen er eigentlich repräsentiert, und ob er dabei eine Chance hat, das darzustellen, was er sein will. Nichts wäre doch trauriger, als wenn das Stadtschloss am Ende nur noch für Touristen da wäre und auf deren Kindergeburtstagen die historischen Fassaden zu Bravo Hits 1950 schwänge.
Also, wenn wir selber öffentlicher Raum werden wollen, sind wir hier richtig? Oder wollen wir gar nicht so viel, sondern einfach nur eine geschützte Nische für uns selbst sein? Hauptsache, wir müssen nicht die Leere füllen oder fühlen, die ein leergebliebener Schlossplatz bedeuten würde. Aber was wäre (Plan B), wenn wir das Stadtschloss sprengten, um ihn wiederaufzubauen, den Palast der Republik? Also, einen anderen Palast der Republik oder – besser noch! – den Palast einer ganz anderen Republik.

Mit dem Schlossbusters!-Abend schließen copy & waste ihre Trilogie PUBLIC SHOWDOWN ab, die 2014 mit einem Audiowalk über Privatisierung am Kottbusser Tor begann und 2015 ebendort in einem fiktionalen Back To The Future-Concept Store Zeitreisen anbot, um Gentrifizierung zu erkunden (beide Teile zusammen mit dem English Theatre Berlin | IPAC).

Who ya gonna call? Schlossbusters! ist eine Produktion von copy & waste in Koproduktion mit dem Ballhaus Ost. Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und durch die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. – aus Mitteln des Bundes.

Von und mit: Jörg Albrecht, Silke Bauer, Elena Gaus, Lenard Gimpel, Roman Hagenbrock, Janna Horstmann, Steffen Klewar und Daniel Sauermilch. Recherche: Tina Ebert. Produktionsleitung: ehrliche arbeit – Freies Kulturbüro. Presse: Sarah Rosenau, MACCS GmbH.

(c) Roman Hagenbrock
(c) Amelie Kahn-Ackermann
(c) Amelie Kahn-Ackermann
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